Fünf Methoden für Ihre nächste Retrospektive

Ob als Unternehmen, als Scrum,- oder Projektteam: Die Durchführung einer Retrospektive nach einem gewissen Zeitabschnitt ist unverzichtbar, um von vergangenen Ereignissen zu lernen und in der Zukunft Projekterfolge zu optimieren.
Um den Erfolg einer Retrospektive zu maximieren ist die Auswahl der Methode entscheidend. Dieser Blogartikel gibt Ihnen einen Einblick in fünf geeignete Methoden für Ihre nächste Retrospektive.

Definition Retrospektive

Im agilen Projektmanagement werden Retrospektiven (auch Retros genannt) genutzt, um innerhalb des Kernteams den abgeschlossenen Sprint zu bewerten und die Zusammenarbeit zu optimieren.
Auch im klassischen Projektmanagement (Wasserfall-Prinzip) und allgemein in Unternehmen sind Retrospektiven essenziell, um als Team regelmäßig zu reflektieren, wie die Projektarbeit in Zukunft optimiert werden kann.

Mehrwerte von Retros

  • Teams und Unternehmen können nur qualitativ hochwertig arbeiten, wenn Sie aus Ihren Fehlern der Vergangenheit lernen.
  • Die Zusammenarbeit in Teams wird verbessert, insbesondere weil jedes Teammitglied seine Meinungen und Ansichten aufschreiben darf und so gehört und wertgeschätzt wird.
  • Retrospektiven sind der Grundstein für eine zukünftige vertrauensvolle Zusammenarbeit ohne Frust – denn Probleme und Bedürfnisse von Teammitgliedern werden adressiert

Fünf geeignete Methoden für Ihre nächste Retrospektive

In diesem Abschnitt stellen wir Methoden vor, die Sie in Ihrem Team oder Unternehmen anwenden können. Die Methoden sind ähnlich aufgebaut und verfolgen den gleichen Ansatz: Den Blick zurück („Was lief gut?“) und nach vorn („Was soll neu/anders/besser werden?“). 

 

1) Start-Stop-Continue Methode

 

Im Kontext dieser Methode soll jedes Teammitglied offenlegen, welche Punkte während des letzten Sprints (oder Projektabschnittes) gut gelaufen sind, verbessert oder abgestellt werden sollten.

Vorgehen:

Start: In einer angenehmen Arbeitsatmosphäre schreibt jedes Teammitglied auf einen Zettel oder virtuellen „Post-it“, welche Themen im vergangenen Abschnitt vermisst wurden und womit in Zukunft gestartet werden sollte. Zum Beispiel die Einführung eines wöchentlichen Meetings, um Risiken zu besprechen, die nach Analyse des letzten Projektabschnittes notwendig sind.
Stop: Als zweiten Schritt schreibt jedes Teammitglied auf, welche Themen im letzten Sprint nicht gut gelaufen sind und in Zukunft nicht mehr vorkommen oder abgestellt werden sollten. Ein Beispiel sind hier bestimmte Fehler beim Programmieren, welche in Bugs mündeten und in Zukunft vermieden werden sollte.
Continue: Der finale Schritt beinhaltet Themen, welche im Kontext der Zusammenarbeit gut gelaufen sind – also beibehalten werden sollen. Ein Beispiel könnte hier Kommunikation sein, die innerhalb des Teams im letzten Projekt gut funktioniert hat.

Wichtig ist, dass die Teammitglieder ihre Antworten verdeckt aufschreiben, sodass keine gegenseitige Beeinflussung entsteht.

Start-stop-continue-Methode

2) FLAP-Methode

Die FLAP-Methode folgt dem gleichen Prinzip wie der Start-Stop-Continue Methode, sprich Teammitglieder schreiben ihre Antworten verdeckt auf Zettel.

In diesem Fall antworten die Teammitglieder zu folgenden Fragen:

Future Considerations: Worauf sollte in Zukunft geachtet werden?
Lessons Learned: Welche Punkte können wir aus dem vergangenen Projektabschnitt für die Zukunft lernen
Accomplishments: Was hat das Team erreicht?
Problem areas: Was für Herausforderungen gab es?

3) 4Ls-Methode

Die 4Ls sind eine großartige Aktivität zur Datenerfassung für wiederkehrende Retrospektiven. Die Ls stehen für: liked, learned, lacked, und longed for:

Liked: Dinge, die Ihnen Spaß gemacht haben
Learned: Dinge, die Sie erlernt haben
Lacked: Dinge, die Sie gesehen haben, die das Team gemacht hat, die aber Ihrer Meinung nach besser gemacht werden könnten
Longed for: Dinge, die Sie sich gewünscht hätten 

Vorgehen:

  1. Teilen Sie das Flipchart / Board in vier Bereiche auf (oder verwenden Sie 4 Flipcharts / Boards).
  2. Bitten Sie die Teilnehmenden, für jeden der L-Bereiche einzeln Notizen auf Post-it zu schreiben.
  3. Post-its werden zeitgleich den Bereichen zugeordnet.
  4. Ein Gruppengespräch über die einzelnen Bereiche findet statt. Die Ziele für den nächsten Sprint werden gemeinsam definiert.
4Ls-Methode

4) Segelboot

Die Idee dieser Retrospektive ist durch Visualisierung Kreativität zu erzeugen.

Vorgehen:

  1. Im ersten Schritt wird ein Segelboot auf ein Flipchart gezeichnet.
  2. Danach wird die folgende Frage gestellt: Wenn unser Team dieses Segelboot ist, welche Anker halten uns zurück und hindern uns daran, schneller/besser zu werden? Die Antworten werden auf Post-Its unter das Segelboot als Anker markiert.
  3. Als dritter Schritt stellt sich das Team die folgende Frage: "Was sind die Windstöße, die unserem Segelboot helfen, sich vorwärts zu bewegen?" Die Ideen werden auf Post-Its als „Windstöße“ gezeichnet.
  4. Aus dieser Visualisierung ergibt sich als letzter Schritt eine Gruppendiskussion, welche Stärken und Schwächen das Team hat und Punkte als Optimierungspotential herauskristallisiert.

5) Timeline

Ziel dieser Methode ist, als ein Team den bisherigen Abschnitt der Zusammenarbeit zu visualisieren. Auf Basis der gemeinsam bewältigten Meilensteine und Herausforderungen sollen erlangte Ressourcen herausgearbeitet werden, welche für eine zukünftige Zielerreichung hilfreich sein könnten.

Diese Methode ist besonders gut geeignet, wenn das Team vor einer akuten Herausforderung steht und sich unsicher ist, wie es diese bewältigen kann.

Vorgehen:

  1. Für das optimale Setting trifft sich das Team in einem größeren Raum und legt auf dem Fußboden ein Seil (o. Ä.) aus, welches die Zeitlinie der bisherigen Zusammenarbeit darstellen soll. Alternativ könnte das Seil auch online auf einem Whiteboard dargestellt werden.
  2. Auf Kärtchen werden chronologisch entlang der Zeitlinie Herausforderungen und Meilensteine definiert, welche das Team gemeinsam gemeistert hat.
  3. Weitere Kärtchen werden nun neben die definierten Meilensteine gelegt. Es wird niedergeschrieben, welche Team-Ressourcen bei jeder Herausforderung geholfen haben, um diese zu bewältigen. Alternativ kann aufgeschrieben werden, welche Meilensteine Team-Fähigkeiten bei jeder Herausforderung erlangt wurden.
  4. Neben dem Seil liegen nun chronologisch jeweils Herausforderungen und Ressourcen. Wenn zutreffend wird abschließend nun analysiert, welche dieser Ressourcen dem Team bei der zukünftigen Herausforderung helfen wird. Durch diese Reflektion wird die Team-Stärke visualisiert und kann neue Kräfte für die Zukunft freisetzen.

Zusammenfassung

Die Durchführung von Retrospektiven sind essenziell im Projekt- und Teamkontext. Durch Retrospektiven können Teams aus der Arbeit der Vergangenheit lernen und dadurch den Projekterfolg der Zukunft verbessern.

Methoden und Techniken helfen, den Faktor Spaß in die Team-Retrospektive zu integrieren und durch Visualisierungen den Output zu optimieren.

Die aufgezeigten Methoden haben im Kern dasselbe Ziel: Die Vergangenheit reflektieren und dadurch Rückschlüsse für die Zukunft generieren.

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